motorangs Islandhäppchen 2013

Auch Berichte von Treffen können hier rein.
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motorang
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motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Fr 21. Jun 2013, 06:55

Guten Morgen aus Dänemark. Bin gerade auf dem Weg nach Island und werde so häppchenweise hier Berichte einstellen.
Wer Freude dran hat: Viel Spaß!

PROLOG

Nach Monaten der Nebenher-Vorbereitung verhindert etwa 2 Wochen vor Abfahrt ein technisches Problem beinahe die Fahrt mit der Tenere. Die alte Lady (Bj. 1986) war ab Ostern neu aufgebaut worden und hatte einen gebrauchten Ersatzmotor bekommen der sich anfangs bei kurzen Testfahrten ganz manierlich benommen hatte. Das Frühjahr war kalt und regnerisch, und so fällt es erst spät auf dass der Motor ein Problem mit der Ölförderung hat und überhitzt. Nachdem der Motor mehrmals zur Prüfung offen war bis zur Ölpumpe, baue ich aus zwei Resten einen Ersatzersatzmotor zusammen: der Rumpfmotor von einer 3AJ wird seines E-Starters beraubt, und vom kaputten Originalmotor kommt der komplette rechte Deckel und Deko drauf, weil ein Reisemopped zwingend einen Kickstarter braucht. Eine Woche vor Abfahrt wird der eingebaut und funktioniert, uff. Benzinpumpe fliegt raus, dafür kommt rechts ein Benzinhahn mit Reservestellung rein. Kettenführung von KTM. Bereifung Michelin T63. Übersetzung 14-45 mit RK SO Kette und Clipschloss.
Die restliche Ausrüstung ist afrikaerprobt und braucht nur hie und da eine Auffrischung. Andere Aluboxen kommen auf den überarbeiteten Gepäckträger, eine zusätzliche Steckdose sorgt für Strom, eine RAM Mount Kugel für Navigationshalt.
Ein alter Wunderlich-Endurotankrucksack und ein großer Ortlieb Rack Pack nehmen den Rest vom Gepäck auf.
Ich bin nicht alleine unterwegs, Freund Martin aus Wien (KTM 690 Adventure-Umbau) und Richard aus Deutschland (BMW R80 GS) werde ich unterwegs treffen.

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motorang
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Fr 21. Jun 2013, 10:50

Donnerstag 20.6.
Hamburg-Altona erwartet uns mit Kaiserwetter. Beim Lederclaus in der Werkstatt wird schon mit dem Frühstück gewartet, der Zug hatte eine gute Stunde Verspätung und so wird es eher ein Brunch, mit vielen Eiern und Kaffee. Die Tenere bekommt einen Ölwechsel (20W-50) und bald verabschieden wir uns von Martina, Claus, Herbert und Max um über Landstraßen nach Dänemark zu knattern. Gute 30° C hat es auch hier noch. Ohne Zwischenfälle kommen wir gegen 20:00 in Kolind an. Das letzte Stück war schon recht frisch mit etwa 20° C und extrem diesig so dass wir eigentlich mit Regen gerechnet hatten. Noch ein Einkauf bei Lidl (bis 21 Uhr geöffnet), Zelt bauen, kochen, duschen, und um Mitternacht ins Bett.

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motorang
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Mo 24. Jun 2013, 23:35

Freitag, 21.6.
Es ist um 6 Uhr morgens schon superhell im Zelt - aber es regnet. Also erstmal umdrehen und weiterschlafen, vielleicht hört es ja auf? Heute steht nicht viel mehr auf dem Pflichtprogramm als auf Richard zu warten, der heute als zweite Etappe von Braunschweig angeritten kommen wird. Ein eventueller Tagesausflug ist Wettersache, und Wetter hat es gerade reichlich ... Erst gegen Mittag lässt der Regen nach, es hat 16 °C und ist windig. Ich organisiere uns eine Hütte für die kommende Nacht damit wir morgen früh möglichst unkompliziert aufbrechen können. Der Tag vergeht mit Umzug, Zelt trocknen, umpacken und in den Regen rausschauen.
Gegen 16 Uhr kommt Richard an und wird erstmal trockengelegt -
die letzten 150 km seiner Fahrt hat es stark geregnet. Dann spazieren wir nochmal zu Lidl und kaufen ein, unter anderem einen "Engangsgrill" und ein großes Steak für drei. Diese Einweggrills sind sehr beliebt auf Island, und wir können hier schon mal probieren was das so kann. Am Rückweg überrascht uns ein Regenschauer, und auch das ist ein kleiner Vorgeschmack auf kommende Tage und zeigt mir dass meine leichte Softshelljacke mehr soft als shell ist. Das Grillchen hat Mühe mit dem großen Stück Fleisch, aber heizt lange genug um auch noch eine Hand voll Kartoffeln zu garen. Wertvolle Erfahrungen. Das Zelt ist endlich trocken und wird eingepackt. Schließlich eine Betankung um morgen die 275 km Fahrt voll zu beginnen. Wir gehen früh bei leichtem Sturm zu Bett, nachdem Martin seine KTM im Vorgarten geborgen hatte wo der Seitenständer im aufgeweichten Erdreich versunken war.

Samstag 22.6.
Bei frischen 12°C und Wind packen wir auf, es ist bedeckt aber regnet nicht. Gegen 06:45 kommen wir los, hatten den Hüttenschlüssel in den Briefschlitz der Rezeption geworfen. Das Wetter ändert sich in den nächsten drei Stunden lediglich um 4 Grad. Auf halber Strecke eine Pause, die konstanten 110 km/h sind auf Enduros mit breitem Lenker und aufrechter Sitzhaltung auf Dauer recht anstrengend. Die Auswahl aus 5 Croissantsorten ist schwierig, schließlich wird es die Mozartkugelvariante mit Marzipan und Pistazienfülle, nachdem Lakritzcroissants einstimmig ausgeschlossen wurden. Die Regenkombi ist dann trotz Trockenheit angebracht, schließlich sind wir doppelt so hohe Temperaturen gewöhnt. Um elf sind wir an der dänischen Nordspitze und bunkern Proviant für 1,5 Tage Fähre und den ersten Tag auf den Färöern - wir kommen spätabends an und ich erwarte keine offenen Geschäfte mehr.
Vor dem kalten Wind flüchten wir uns in einen vietnamesischen Schnellimbiss, bald ist es 13:30 und Zeit einzuchecken. Bei der Hafeneinfahrt werden die Tickets bei einem Schalter kontrolliert und wir bekommen Boardingkarten, damit fahren wir direkt in den Bauch der Nörröna. Nach dem Umpacken dürfen wir unsere Fahrzeuge selbst mit beigestellte Gurten sichern, und beziehen unsere Kabine. Da fällt doch einige Spannung ab, wenn man sein Schiff erreicht hat. Und die Autobahnfahrerei ist auch für drei Wochen vorbei :D.

Sonntag 23.6.
Das Zeitgefühl geht in so einer Innenkabine schnell flöten, wir leben nach der Uhr. Der Hunger fällt in einem immer leicht rollenden und stampfenden Schiff als Zeitgeber aus, und wir dösen viel herum. Ein paar Spaziergänge auf Deck, am frühen Nachmittag passieren wir die Shetland Islands und haben noch knapp 200 nautische Meilen nach Thorshavn (spricht sich wie ein vernuscheltes "Thorschown") wo wir um 22:30 Uhr Schiffszeit anlegen werden. Das entspricht übrigens der Lokalzeit auf den Färöern da die Smyrill Line eine färingische Fährgesellschaft ist, und ist eine Stunde hinter der heimatlichen MESOZ.
Wir haben somit den Nordatlantik erreicht, der Kapitän sagt schönes Wetter durch, mit Schauern, 8-13 m/s Wind (immerhin bis zu 47 km/h) und Wellen nicht über 2,5 m. Ein gefühlter Meter Hub ist in der Kabine zu spüren und Richard konstatiert dass er weder für lange Autobahnfahrten noch für Schiffsreisen geschaffen sein dürfte.
Um 20:30 müssen wir aus der Kabine draußen sein und werden informiert dass "das Car-Deck von 20:30-20:45 aufgemacht ist für Aufladen das Gebach". Bis dahin können wir noch die blitzsaubere und geräumige Kabine genießen, komplett mit Dusche und Unterdrucktoilette.
Um 23 Uhr geht es los zur Nordspitze der Nachbarinsel wo es zwei nette Campings geben soll. Beim trüben Licht der Mitternachtsdämmerung überholen wir eine Kolonne Allradcamper und knattern bei 6°C über die Bergstraße nach Eidi. Ist recht frisch, weil fürs Anlegen der warmen Unterwäsche war irgendwie keine Zeit.

Montag 24.6.
Um Mitternacht suchen wir den kleinen Ort und seine Zufahrten nach dem Hotel mit angeschlossenen Zeltplatz ab. Nix ist da, und eine späte Fußgängerin meint das wäre schon Jahre her. Klass, genau wofür man einen aktuellen Reiseführer gekauft hat. Wir haben keine Lust auf nochmal eine Stunde frieren und bauen unweit des Ortes in Strandnähe unsere Zelte auf. Heia um eins.
Sieben Stunden später, einstellige Temperaturen, zusammenpacken und auf einen Frühstückskaffee zum nächsten Ort. Auch hier kein Zeltplatz, gut dass wir nicht mehr weitergefahren sind. Die freundliche Dame im Gästehaus findet für uns zwei real existierende Campings raus, und nach einem Fotospaziergang fahren wir südwärts. Über almartige Wiesen schlängelt sich die Straße, oft einspurig mit Ausweichen, und oft weichen die Autos aus und machen uns den Weg frei. Der Platz in Aeduvik ist ein Volltreffer, mit heißer Dusche, Kochhaus, preiswert und schön gelegen. Wir genießen zwei Stunden Sonne, waschen Wäsche, flicken ein Zelt, und ich ärgere mich mit dem GPS-System rum das sich beim Booten immer aufhängt. Dann eine kleine Moppedrundfahrt mit Einkauf, viele Schafe und Vögel auf der Heimfahrt, und grillen des Gekauften. Bis aufs färingische Bier, das wurde direkt aus der Dose genossen. Jetzt ist es knapp 22 Uhr Ortszeit, und hell. Trotzdem sollten wir schlafen gehen ...
Tageshöchst war 12, jetzt hats 8 Grad.
Abendessen:

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motorang
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Fr 28. Jun 2013, 02:13

Hi
hier geht es weiter, ist zu umständlich von unterwegs in zwei Foren zu posten:
http://forum.motorang.com/viewtopic.php?f=9&t=9579

Gryße ...

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Henner
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von Henner » Fr 28. Jun 2013, 03:49

Doofer ist, uns anzufüttern...
Los, das kannst hier auch noch reinkopieren !
Grüße, Henner

Admin XT600.de und XT-FOREN.DE

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motorang
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Sa 6. Jul 2013, 14:13

Sorry Henner, ich hab nur ein Telefon mit, klick einfach auf den Link, dort gibts auch Bilder. Wenn es sich wer antun will kann er Text und Bilder auch gerne hier rüberkopieren. Ich hab selten Zeit UND Internet, wir fahren jetzt auch gleich weiter - die Sprengisandur ruft und es ist grad Regenpause.
Sonst mach ich das auch gern später daheim am PC.

LG von der Regeninsel

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motorang
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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Do 15. Aug 2013, 07:20

Hi
Reisebericht mit Bildern dauert noch ne ganze Weile, muss meine Homepage umstricken und will mir die Arbeit nicht 2x antun.

Wie angeboten hier aber der Rest vom Tagebuch. Vorab: die Tenere hat brav durchgehalten, der Ersatzersatzmotor lief mit 20W-50 sehr fein und keinerlei technische Defekte außer eine verlorene Schraube am Motorschutz. Nicht mal ein Platten ... Verbrauch um die 5 Liter/100.

Wattiefe: Wenn das Wasser bis in den Schritt steht (also über dem tiefsten Punkt der Sitzbank) läuft der Motor noch. :+
Die Vergaserbelüftungsschläuche sollte man dazu hochgehängt haben, weitere Maßnahmen wurden nicht getroffen.

Schlau wäre gewesen die Aluboxen mit einer verschließbaren Ablaufbohrung am tiefsten Punkt auszustatten. So musste ich halt ausschöpfen ...

Eine Wathose würden wir das nächste Mal wohl nicht mehr mitnehmen.
Wer kaltes Wasser nicht aushält sollte da einfach nicht hinfahren. Auf der F216 hatten wir auf 40 km 21 Furten, da ziehst Du Dich nicht mehr um ...

Fortsetzung auf den Färöern:

Am nächsten Tag Superkaiserwetter, kein Tropfen Regen, oft Fotolicht. Ist aber alles in der Spiegelreflexkiste gefangen. Wir haben einen Tank leergefahren, haben sogar Schotterpisten entdeckt ^^
Am Heimweg eingekauft. Es gibt 4x so viele Schafe wie Menschen hier - aber das Lammfleisch im Laden ist aus Neuseeland. 95 Prozent des BIP kommt vom Fischfang aber Du kriegst nirgends Fisch! Dafür australische Zwiebeln, kenianische grüne Bohnen, italienische Erdäpfel, isländische Lammleber. Wir werfen den Grill an, die Holzkohle muss ja weg ...
Das schöne Wetter bringt Wolken kleiner Mücken zum Vorschein. Insektenschutz von Hofer/Aldi hilft etwa ne halbe Stunde (Ombia O-Text: "bis zu 8 Stunden". Egal, das Zelt ist mückendicht.
Mein GPS-System hat aufgegeben, Alter wahrscheinlich (Hardwaredefekt). Es muss mit dem Handy gehen und mit Papierkarte. Beides hoffentlich wasserfest genug ...
Weniger Mücken, und homogenes Wetter. Könnte aber aufreissen. Am frühen Abend geht unsere Islandfähre, bis dahin ist Wäsche zu trocknen, und 70 km zu fahren. Das Bild zeigt den 300m entfernten W-LAN Hotspot des Dorfes, vom Waschhaus aus aufgenommen. Hier hat man gerade noch Empfang UND ist unter Dach wenn man sich ganz groß macht.
Nächstes Internet wahrscheinlich erst in Egilstadir, übermorgen.

Mittwoch 26.6.
Morgens Nebelsuppe. Weniger Mücken, und homogenes Wetter. Könnte aber aufreissen. Am frühen Abend geht unsere Islandfähre, bis dahin ist Wäsche zu trocknen, und 70 km zu fahren. Der 300m entfernte W-LAN Hotspot des Dorfes reicht bis zum Waschhaus - hier hat man gerade noch Empfang UND ist unter Dach wenn man sich ganz groß macht.
Am Vormittag ist die Sonne blass erkennbar aber der Nebel bleibt. Handwäsche, aber mit Maschinentrocknung - mittags kann die Wäsche eingepackt werden, fein! Während der Trockner (gratis) dreht, frühstücken wir im kleinen Aufenthaltsraum. Langsam packen, Zelt trocknen, gegen eins kommen wir bei Nebel los - um zwei Kilometer vom Camping in der prallen Sonne zu stehen. Richard kauft etwas Material zum Helm adaptieren und wir versuchen noch in der nächsten Bucht ein paar Fotos zu machen, brechen aber wegen abermalig Nebel ab.
In Thorshavn kann man nach dem Tanken klasse direkt beim Kreisverkehr beim Imbiss jausnen und die Stunde bis zum Einchecken versitzen. Dann am Schalter Bordkarten holen und ganz vorne in der Reihe warten bis das Schiff kommt - Motorräder werden überall nach vorne gewunken. Mopped verzurren in einer langen Schlange von Abenteurermoppeds, von Russland über Großbritannien bis Australien reicht die Palette. Mit dem Lift hoch auf Stock 7, Kabine wie gehabt. Schlafen, lesen, duschen.

Donnerstag 27.6.
Ankunft in Seidisfjördur um 10:30 Schiffszeit (=09:30 Ortszeit), wir sind da! Es ist trocken und kühl bei 14 Grad. Richard und ich geben je eine Tasche beim Fährbüro ab die wir in 14 Tagen wieder sehen werden, und erleichtert geht es nach Egilstadir zum Einkaufen.
Am See Lagarfljot entlang fahren wir durch kleine Wäldchen nach Hallormstadur, alles ist mit blauen Blumen voll, Weiden für Schafe und Pferde links und rechts der Straße. Dort nochmal tanken (nur mit Kreditkarte möglich) inklusive der Reservegebinde: 5 Liter Kanister und 2x 2 Liter PET-Flaschen werden gefüllt. Nach der Brücke geht es bald über Serpentinen aufs Hochland. Hier, etwa 600 m über dem Meer, ist es deutlich kühler, windig und nieselig. Je näher wir dem Riesengletscher Vatnajökull kommen desto mehr feuchtelt es. Kurz nachdem wir eigentlich die Regenklamotten anziehen hätten sollen ist der Anblick des Schildes zur Laugarfell-Hütte mit dem Kaffeesymbol zu verlockend. 2 Km ab von der Ringstraße gibt es seit letztem Jahr eine sehr nette Hütte mit zwei Hot Pools. Nach ein paar Kaffee beschließen wir nach einem Blick auf den Dauerregen draußen, dass wir hier übernachten - morgen soll es deutlich trockener sein.
Dann finden wir auch raus warum es zwei Pools sind: 32°C und 41°C warm. Klasse, auch bei Regen. Zwar sind wir heute nur etwa 100 km gefahren aber das passt schon. Um 1000 isländische Kronen (1000 ISK = 6,17 Euro) pro Nase können wir bei der Hütte zelten und die Pools, Dusche, WC und den Gastraum mitbenützen. Um unsere gerade gekauften Vorräte für die nächsten Tage zu schonen essen wir allerdings in der Hütte zu abend.
Es ist halb eins in der Früh, so um die Null Grad, und der blaue Himmel kommt grad raus. Sehr erfreulich - gute Nacht !

Freitag 28.6.
Morgens: Sonne! Nachdem die F26 und Teile der F910 noch gesperrt sind lautet das Ziel erstmal Dreki/Askja und dann über die F905 nach Norden zum Myvatn. Gleich nach Erreichen der Hauptstraße lässt uns ein Regenschauer in die entsprechende Kleidung schlüpfen. Wir folgen der Asphaltstraße bei teilweise Nebel und ständig 5-6 Grad zum Karahnukur Staudamm. Ein Riesending und für uns insofern bedeutsam als hier aus der Straße 910 die BERGstraße F910 wird (F steht für Fjellvegur), also Schotter. Es geht zunächst über einen kleinen Höhenrücken, das Visier beschlägt und ein kleiner Graupelschauer erfrischt uns. Nach zwei harmlosen Wasserdurchfahrten erreichen wir in der Lavawüste die Abzweigung nach Bru wo wir uns westwärts halten. Kurz darauf die erste seriösere Furt, durch die wir einfach durchfahren können. Das Wasser ist klar und langsam, unter 30 cm tief. Die Moppeds zischen und dampfen, auch bei der nächsten Furt geht alles gut. Nachdem die F905 abgezweigt ist kommt die erste Furt wo wir absteigen. Die Strömung ist flotter, es sind größere Steine drin, und unsere Wathose kommt zum Einsatz. Richard marschiert durch die gut knietiefe Furt, und ein Touristenauto (Dacia Duster) wurschtelt sich durch. Dann wir, ein bisserl mulmig ist mir, aber es geht gut. Ich muss fußeln weil sich der Tankrucksack aushakt und seitlich runterhängt. Das Wasser ist kalt, aber es wird nicht nass im Stiefel - die vorsorglich über die Stutzen gezogenen Goretexfüßlinge halten dicht und reichen bis in die Kniekehlen.
Einige km nach der zweiten, etwas harmloseren Furt passieren wir die Brücke über die Kreppa, und ich bin gottsfroh dass es die gibt. DER Fluß ist ein anderes Kaliber, mit schlammig-trübem Schmelzwasser und sehr starker Strömung. Auf dem nächsten Wegstück durch die Krepputunga schaut die Sonne raus. Wir legen eine Pause ein, ziehen die Regenklamotten aus, jausnen auf den großen Basaltblöcken die hier in der Sandwüste liegen. Fotozeit! Wir haben einen guten Blick auf den wohl schönsten Berg Islands, den 1682 m hohen Basaltdom Herdubreid mit seiner mächtigen wolkenverhüllten Schneekappe. Als wir sehen was sich östlich davon auf uns zubewegt ist die Jause schnell zu Ende: eine mächtige schwarze Wolkenwand mit grauen Regenbärten und gelblich-braunen Sandwirbeln ist vielleicht noch 20 km entfernt. Wir jagen über die Piste, immer dieses Monster im Rückspiegel auf das keiner Lust hat. In einer Gegend ohne Buswartehäuschen wo selbst die Felsen nur hüfthoch sind hieße das im Sturm weiterfahren oder neben dem Mopped kauernd abwettern. Noch gut 60 km zum Vulkangebiet um Askja mit der Schutzhütte in Drekagil ("Dreki"), was Drache bedeutet. Wir passieren die zweite Brücke über die Jökulsa a fjöllum, auch hier muss ein Weidegatter geöffnet und geschlossen werden, dann bald die Kreuzung mit der nordwärts führenden F88, wir biegen nach Süden ab.
Das Monster ist schwächer geworden und zieht an uns vorbei, wir kriegen einen Graupelschauer ab und ein paar Windböen mit reichlich orangem Sand. Die Piste ist kurvig und führt durch felsiges Gelände, mit reichlich Sand in der Fahrspur. Vorderrad leicht machen (hinten sitzen & auf Zug fahren) mit leichtem Lenkerpendeln bringt einen da ganz gut durch. Konnten wir vor zwei Stunden noch mit 60-70 über mildes Wellblech brettern so sind jetzt die Gänge 1-3 angesagt mit Vmax 40-50.
Wir erreichen Dreki sturzfrei und durchgefroren gegen 16 Uhr, es hat im Durchschnitt etwa 5 Grad und 20 km/h Wind - ständig!
Aber die Szenerie entschädigt, ich bin froh die Spiegelreflex mitgezerrt zu haben, auch wenn sie sich gerade durch rausrütteln aller 6 Halteschrauben des Frontringes vom SIGMA Superzoom zu entledigen versucht.
Die Hütte wird von den Rangern des Naturparks betrieben und ist ein wenig enttäuschend. Überall hängen zwar nette Zettel, aber der (eh ungeheizte) Gastraum ist den Zimmerschläfern vorbehalten. Den Müll sollen wir wieder mitnehmen, danke. Dusche warm kostet 3 Euro. Aber der Platz ist super gelegen und wir können uns neben einem der Gebäude mit Moppeds und Zelt einrichten. Es regnet alle 20 Minuten, also zerren wir erstmal eine Sitzgarnitur rüber und spannen mein kleines Tentwing drüber auf. Schauer abwarten, Zeltplatz von Steinen freiräumen, Schauer abwarten, Kochzeug holen und Grill anfeuern, Schauer abwarten, Zelte aufbauen, Schauer abwarten, Kartoffeln aufstellen etc etc
Nach uns kommen noch einige Leute mit Mietpickups und Wohnkabine, ein Allradbus mit Franzosen und einige Landrovertouristen füllen die Hütten, und eine Partie mit 3x BMW GS zeltet neben uns. Ein Zelt pro Mann aber keine Plane. Die stellen sich flach an die Hauswand wenn es regnet ...
Abends noch einige Male tolle Fotomomente, die Nikon ist repariert und wir haben die sagenhaftesten Regenbögen der Welt. Den letzen seh ich um 22 Uhr beim Zeltschlupf, irre.
Die knapp 150 km Piste haben müde gemacht.

Samstag 29.6.
Nach einer windigen Nacht ist es morgens sonnig, die Regnerei scheint vorbei zu sein. Es hat knapp über null Grad und windet. Rasch ist alles eingepackt und auf großes Frühstück hat auch keiner Lust bei dem Wind. Zwei Kaffee pro Mann, ein paar Müsliriegel und Schokolade, dann geht es zum Ranger. Wir bezahlen 1200 ISKR pro Nase (=7,50 €) und deponieren einen Teil des Gepäcks um die Zufahrt zum kleinen Krater zu befahren. Die Piste ist eigentlich leicht, durch die noch vorhandenen Schneereste besteht sie eigentlich aus zwei Schmelzbächlein und kleinen Tümpeln in den Spurrinnen. Einmal fußeln und der Stiefel ist nass ...
Wir fahren die F88 nach Norden nachdem wir uns der Machbarkeit der beiden Furten so gut wie möglich vergewissert haben. Durch weite Lavaebenen geht es dahin, die einzig grünen Stellen sind bei den Furten. Die südlichere über die Lindaa ist die tiefere, mit sandigem Boden und ein paar großen Steinen drin. Wir kommen gut durch, und auch die zweite Furt ist problemlos. Wir freuen uns über blauen Himmel, zumindest manchmal, und ärgern uns über lästige Fliegen. Es ist besser nach der Furt 100 m vom Wasser wegzufahren, da sind deutlich weniger Tierchen. Nach insgesamt 300 km erreichen wir über ein Stückchen Ringstraße die Tankstelle am Myvatn der seinem Namen alle Ehre macht - Mückensee. Lediglich im Supermarkt ist es auszuhalten, draußen nur mit Mundschutz und was über den Ohren. Am besten man behält den Helm auf . Die Sonne scheint dauerhaft und uns wird schnell warm. Benzin kriegen wir hier erst nach dem Erwerb einer Prepaid-Tankkarte, weder mit EC noch mit MASTER oder VISA. Die 10.000 Kronen entsprechen gut 40 Litern und sind zu dritt schnell getankt. Die KTM braucht etwa 4 Liter auf 100, die Yamaha 5 und die BMW 6. Das Mittagessen holen wir gegen 17 Uhr bei der Pizzeria 2 km südlich nach - sehr lecker und so reichlich dass für jeden noch ein Rest eingepackt wird. Heute noch über eine kleine Bergpiste nach Husavik. Gemeindecamping mit heißer Dusche um 1100 (=7€). Pizzarest und geschenktes Bier vom Stadtrat von Bad Aibling, weil 4 Leute davon unsere Zeltplatznachbarn sind. Die Wäsche trocknet im geheizten Waschmaschinenhäuschen während die Sonne in den Norden wandert. Es ist trocken, windig und kalt. Hier an der Küste hat es gerade mal 5 Grad.

Sonntag, 30.6.
Es ist wieder bedeckt, wir verzichten auf die Attraktionen des Städtchens (Walbeobachtung per Boot und das berühmte Penismuseum) und machen uns auf den Weg nach Westen um von dort aus das Hochland zu durchqueren. Auf der F35 (Kjölur) soll das derzeit möglich sein, aber dafür müssen wir runter zur Ringstraße nach Akueyri und auf ihr etwa 100 km nach Westen.
Auf dem Weg bleiben wir gut zwei Stunden beim Automuseum in Ystafel hängen. Um es zu verstehen muss man ein paar Bilder ansehen ... Dann einkaufen in Akueyri (viele Geschäfte haben auch sonntags offen) und was essen. Die Fastfoodkette Subway hat warme Sandwiches für uns.
Nach vielen eisig kalten Kilometern kommen wir etwas steif in Varmahlid an, tanken und trinken etwas Warmes. Kaffee gibt es hier übrigens aus großen Pumpthermosflaschen, man bezahlt für den Becher und kann sich immer wieder nachnehmen - um umgerechnet 2€ eine feine Sache. Die Karte verzeichnet eine Viertelstunde südlich bei Reykir zwei Zeltplätze und ein Schwimmbad, und tatsächlich ist beides nur 100m voneinander entfernt und der Zeltplatz hat auch noch einen kleinen Aufenthaltsraum mit Küchenzeile. Das Schwimmbad ist inklusive und hat bis nach 22 Uhr offen, so dass sich die entspannende Sitzung im Hot Pot noch ausgeht. Wir braten Fleisch und kochen Kohlsprossen, die Verpflegung ist ausgezeichnet. Zum Schluss schläft der Wind ein und es wird fast noch warm. Morgen wird wieder ein Pistentag!

Montag 1.7.
Wie auch schon gestern müffelt die Tenere nach Sprit - bei geschlossenen Benzinhähnen. Da schließt wohl das Schwimmerventil nicht ganz und einer der Hähne auch nicht. Nach Abziehen der Benzinschläuche scheint der rechte Hahn inkontinent zu sein. Leider ist das nicht reparierbar so dass durch einlegen von Plastikfolie und draufstecken des Benzinschlauches provisorisch diese Seite stillgelegt wird. Wir basteln und räumen noch länger herum, großes Frühstück im Gemeinschaftsraum, plaudern mit anderen Campinggästen (Kanada, Schweden, Deutschland) und kommen so erst gegen Mittag los. Keine drei km später rinnt es beim Vergaser, aber ordentlich. Technischer Halt am Pistenrand: der Benzinschlauch ist der Bösewicht! Auch eln Gewebegummischlauch hält nicht ewig. Das ist schnell provisorisch behoben, ich entferne das defekte Stück und verbinde pen linken Benzinhahn direkt mit dem Vergaser. Wir lassen noch den Reifendruck auf 1,5 bar ab und es geht über die kleine Piste F756 weiter, bei leichtem Nieseln und 5 Grad. Schön zu fahren, anscheinend frisch gegradert mit ein paar weichen Stellen. Weideland mit vielen Schafen, klelnen Bächen und Kurven. Etwa wie oben am Sölkpass vor 25 Jahren. Beim Stauseekomplex Blöndulon ist dann schon Vollwüste, hier treffen wir auf die 35, der wir nach Süden bis Hveravellir folgen. Halbwegs zwischen zwei großen Gletschern ist in einer dampfenden Senke die bewirtschaftete Hütte mit Zeltplatz. Die Piste verläuft meist schnurgerade mit 80er-Wellblech: wenn man mit 80 drüberbrettert sind die Vibrationen fast weg. Es regnet immer wieder, Temperaur 3-4 Grad, Wind trägt unsere Staubfahnen weit über die flache Landschaft, Gegenverkehr ist schon Kilometer vorher an einer Staubwolke zu erkennen.
Bei der Hütte erstmal drei Kaffee - für jeden. Dann nach dem Zelten fragen: Fahrzeuge müssen am Grobschotterparkplatz stehen, Zelte sollen in die Wiese. Wir finden hinter der Hütte bei den Reiseautos ein Platzerl wo beides so nah beisammenliegt dass das 5m-Stromkabel bis ins Zelt reicht. Für die nächtllche Ladung von Smartphones, Navigation und Martins GoPro Helmkamera. In der Hütte ginge das auch, zwei Stunden für 2 Euro pro Gerät ...
Der Camping kostet die üblichen 1200 Kronen (8 €) - so viel wie eine große Dose GULL Bier. Leider wird dann der Regen stärker und eine sehr gute Stunde lang schüttet es durchgehend. Wir hocken mit den Moppedklamotten auf unserer Holzgarnitur unter dem Tentwing, das den Großteil des Windes und Regens abhält. Keiner hat Lust zur vollen Hütte zu rennen oder auch nur den Kocher vom Mopped zu holen. Immerhin ist der Rucksack mit dem Essen am Tisch, und wir können jausnen. Es ist etwa 16 Uhr, heute passiert nicht mehr viel. Wir vertilgen Cheddar cheese, Baguette, Güleröder (Karotten), Smjör (Butter), Hartwurst, Schokoriegel. Endlich weniger Regen. Spaziergang zum nahegelegenen "Dampfgebiet". Hier kommt leicht schwefeliges Heißwasser und Dampf aus dem Boden, und mit dem Wasser wird ein Hotpot neben dem Bachbett gespeist. Zwei armdicke Kaltwasserschläuche und einer mit 80-100 Grad können je nach Bedarf in den Pool gehängt werden. Die Leute da drin sehen glücklich aus, die Mischung passt wohl. Etwas gestresst sind die Menschen die sich gerade bei Windstärke 5 im Freien umziehen, das Badehäuschen ist klein, wie alle Häuser ohne Dachvorsprung, und nur für Zimmergäste. Und es hat inzwischen nur noch 1 Grad. Die Kollegen gehen früh schlafen, aber ich muss ins warme Wasser, ziehe mich beim Zelt um: Badehose, Flipflops, Mütze, Windjacke, Hose. Ortliebtasche mit Handtuch untern Arm und los. Einen Viertelkilometer später raus aus dem Übergewand, dieses regendicht in die Ortliebtasche gepackt, und ab in den Hot Pot. Zwei Verbesserungen fürs nächste Mal: Getränk mitnehmen und Haube aufsetzen. Man wird ganz schön durstig wenn man da knapp zwei Stunden im heißen Wasser einweicht, und vom Regen wird der Kopf nass und kalt. Zwischendrin ein leichter Graupelschauer, aber gegen 21 Uhr kommt die Sonne raus und es hört auf zu schneeregnen. Zeit um sich schnell abzutrocknen und mit Windjacke und Haube zum Zelt zu gehen. Der Wind kühlt einen zwar aus, aber er trocknet auch. Beim Zelt in die lange Unterwäsche gewechselt, Socken an und ab in den Schlafsack - göttlich! Bis jetzt kommen wir mit dem Zelten gut klar, es gibt überall preiswerte Plätze, und fürs Trocknen von Handtuch und gewaschener Unterwäsche und Socken findet sich irgendwo ein Heizkörper, ein trockener Raum, oder halt der Zelthimmel. Die Motorräder laufen zuverlässig. Bis auf das derzeit nicht so tolle Wetter (auch für Island) alles paletti.

Dienstag 2.7.
Regen am Zelt und Lärm von flatterndem Zeltstoff = umdrehen und weiterschlafen. Erst spät finden wir uns mit dem gleichbleibend grauslichen Wetter ab und trinken ein paar Kaffee und Kakao bei der Hütte. Zeltabbau bei Starkwind und Nieselregen, zuletzt die Plane unter der wir die Motorradklamotten angezogen haben. Ich hab heute alles an außer der Regenkombi, 4 Schichten. Jacke und Hose sind halbwegs dicht, der Wind trocknet den Regen gleich weg. Die Griffheizung ist auf Zündung geschalten und bleibt heute an. Wenn der Motor läuft werden die Pfoten warm, in Verbindung mit den Lenkerstulpen echt fein!
Es geht auf schnell zu fahrender Piste weiter, aber man muss aufmerksam bleiben weil manchmal doch eine Rinne oder ein Loch kommt. Ein etwa 8 km langer Nebenweg führt uns direkt zum Gletscher, er ist deutlich gröber zu fahren mit tiefen Löchern und Fahrspuren, was den meisten anderen Straßenbenutzern egal ist. Die Isländer karren hier mit ihren Superjeeps (ballonbereifte US-Kutschen zumeist) Touristen auf den Gletscher. Vor einem Loch verbremse ich mich und lege die Tenere hin. Wieder mal freu ich mich dass das Eisen voll beladen weniger wiegt als eine komplett leere und trockene Africa Twin. Die Alukoffer stecken so einen Ausrutscher auch auf Lavagestein weg, und auch am Lenker bleibt dank umlaufenber Griffbügel alles ganz. Aufstellen, ankicken und weiter.
Eine Stunde später sind wir beim Wasserfall Gullfoss angelangt, die Wüste hat sich zu saftig grünem Farmland gewandelt. Manchmal scheint die Sonne, die Temperatur wird langsam zweistellig. Nach Spaziergang, Suppe und Kaffee ist mir schon zu warm, und eine Schicht Unterkleidung muss weg. Im unweit gelegenen Geysir (das mit der gleichnamigen Springquelle und dem Dampfschlot Stokkur) ersetze ich die undichte Benzinleitung und stelle den Originalzustand wieder her, damit sind beide Tankhälften während der Fahrt verwendbar, wenn auch der Ersatzschlauch in der Kälte bockig ist und nur unwillig dichtet.
Nachdem die letzten beiden Tage kulinarisch eher trist waren, wollen wir heute etwas früher Schluss machen und grillen, auch die Zelte müssen noch trocknen. Nach Karte finden wir gegen 19 Uhr einen passenden kleinen Platz an der 32 nahe Storinpur, mit Rasen und Sonne und viel Wind. Grillen geht im Windschatten der kleinen Duschanlage, es gibt Lamm und Wokgemüse, Toast mit Butter und Knoblauch, Cheddar cheese. Dazu Bier, und ein Schluck Scotch rundet die Sache ab. Der Platz liegt an einem kleinen Fluss und ist (selten!) baumbestanden, so dass wir Brennholz für ein wärmendes Feuerchen klauben können. Abends geht das Thermometer auf 5 Grad, die Sonne geht zwar kaum unter, aber lange Schatten wärmen halt nicht. Zeltschlupf gegen 23 Uhr.

Mittwoch 3.7.
Auch der Morgen ist noch sonnig und windstill, und schnell wird auch die Temperatur deutlich zweistellig. Als es 18 Grad hat schieb ich die Tenere zum Aufpacken in den Schatten und beschließe heute in Unterwäsche zu fahren, genauer: lange U.
darüber Endurojacke mit Wärmefutter und Endurohose mit Windstopper-Innenhose. Bald geht es weiter nach Osten, das Zwischenziel lautet F225 nach Landmannalauga mit dem Plan nördlich des Gletschers Myrdalsjökull auf der F208 weiterzufahren. Also zuerst mal zur F26 die seit heute geöffnet ist. Die vermeintlich (laut Karte) nächste Brücke gehört zu einen Flusskraftwerk und ist "Staff only". Erst nach weiteren 14 km können wir über den Fluss. Da wir inzwischen schon 70 km gefahren sind fahren wir weiter nach Hraunejar um vollzutanken. Leider sind die Mücken schon da, echt eine Plage. Nach dem Benzinfüllen flüchten wir ins Resthouse wo wir (wie so oft - warum steht das eigentlich nicht im Reiseführer?) die Schuhe ausziehen müssen oder zumindest Plastiküberzieher verwenden. Ist auch bei einigen Hütten so. Bei Kaffee und Saft beschließen wir eine Abkürzung zur F26 zu fahren. Diese alte Piste ist in allen Karten, aber der Verlauf ist inzwischen anders und es dauert eine Weile bis wir den Einsteg gefunden haben. Am Anfang ist es ein wenig ruppig und Richard zweifelt an der Richtigkeit des Planes, aber die Piste wird eindeutiger als wir das Tal verlassen, und nach dem ersten Bergrücken sind wir sicher dass es passt - auf diesem Wegerl kommen keine Überlandbusse oder Mietcamper daher . Später passieren wir den Valagja und stoßen wieder auf die F26 die an ihren Staubwolken leicht auszumachen ist. Je weiter wir nach Osten und ins Hochland kommen, umso kühler wird es. 14, 12, 10, 8, 6 Grad. Und die Fotomomente werden weniger. Ist es um die Kringla noch sonnig, so regnet es bei Landmannalauga. Trotzdem ist dort mords viel los, wir sparen uns die beiden Furten in diese Sackgasse und fahren trotz Regen und Uhrzeit weiter, wollen noch den Zeltplatz bei der Hütte Holaskjol etwas südlich von Eldgja erreichen, 41 km auf der F206. Etwa zwei Stunden später kommen wir bei der Schutzhütte an. Etwa 20 Furten waren das, teilweise Nebel wie Watte, dann wieder durch Schneefelder dass dir das Visier komplett zugeht. Bei der ersten Furt merke ich dass ich die Hose nicht über die Stiefel gezogen und zugezippt habe - leider erst als das Wasser reinschwappt. Und die Regenkombi haben wir auch nicht angezogen. Ergo bin ich nass, kalt, müde und hungrig als wir bei der Hütte ankommen. Der "Wirt" (ich nenne ihn einfach mal Seppi) wohnt mit seiner Frau, Hund und Katze in einem Blockhäuserl nebendran. Eigentlich ist er mehr der Hausmeister, weil Bewirtung gibt es keine. Man kommt in einen großen Raum mit Stockbetten, nebendran Dusche und Klo, und fertig. Nix mit Kaffee oder so. Na ja, hilft ja nix. Wir fangen an unser Zelt in der Wiese aufzubauen, wohlgemerkt bei Dauerregen und Wind, als uns Seppi bedeutet weiter drüben wäre ein besseres Platzerl. Glücklicherweise folgen wir seinem Rat denn auf der Rückseite des Klohäusls ist eine halboffene Waschstelle mit trockenem Platz für drei stehende Gestalten die sich da ihr Süppchen kochen können. Als es mal weniger regnet stellen wir Zelte und Plane auf, und hängen unsere nassen Klamotten unter das kleine Dachl, ohne viel Hoffnung dass da was trocknet bei 5° und 100% Luftfeuchte, aber vielleicht tropft etwas ab. Eine warme Dusche hilft auch um aufgewärmt schlafen zu gehen, hier mangels Geothermie mit Gas betrieben.

Do 4.7.
Nach durchschlafener Nacht in die feuchten Klamotten gestiegen. Das Packen zieht sich bis Mittag weil man ja möglichst wenig Wasser einpacken will, speziell bei Tarp und Zelten schwierig. Ich habe folgende bewährte Packordnung:
Eine große Ortliebtasche mit unbedingt trockenen Sachen (EVA-Matte 8mm und dünne TAR-Matte, Kunstfaserschlafsack, Kleidung), eine kleinere mit möglicherweise feuchtem Zeug (Zelt, Tarp), rechte Alubox mit Werkzeug etc (incl 5 lt. Reservesprit, Benzinkocher, Ersatzteile), linke Alubox mit Diversem (Wasserflasche, Futter, Kulturbeutel, Mütze und Windjacke ...). Tanktaschen vorne mit Regenkombi, Turnschuhen, Flipflops. Tankrucksack für 2x Foto, Geld, Landkarten, Leatherman ...
Am Nachmittag kommen wir nach Kirkjubaejarklaustur und verlieben uns in den Campingplatz mit Trockner, Waschmaschine, Aufenthaltsraum mit Küche. Wir machen einen Supermarkteinkauf und stellen die Zelte auf, brechen trotz regnerischem Wetter zum Laki-Vulkan auf, mit nur dem nötigen Gepäck. Recht flott und mit nur kleinen ohne Check durchfahrbaren Furten geht es etwa 40 km zum Laki-Krater. Schön zu fahren, schwarze Aschenpiste zuerst in saftigem Grasland mit Kühen und Pferden, dann die genügsameren Schafe, schließlich nur noch Moose und Flechten. Leider regnet es oft, so dass Fotomomente rar sind. Wir fahren die "Laki-Runde" gegen den Uhrzeigersinn, und bald kommt eine Furt die definitiv nicht einfach ist. Die Wathose liegt gut im Zelt und wir stehen etwas ratlos am Ufer als uns ein Geländewagen entgegenkommt. Es ist ein Ranger, und an seiner Spur können wir uns orientieren.
Der kleine Fluss ist etwas tiefer und recht schnell, aber alles geht gut. Die Tenere ist etwa bis zur Hälfte der Koffer im Wasser, das Motorgehäuse komplett. Für Richards Zündkerzen ist das schon knapp, aber der alte Boxer läuft brav durch. Der weitere Rückweg geht über eine alte wenig befahrene Piste vorbei am Leidolfsfell mit seinen Almhütten, durch meist moosige Landschaft auf etwas anspruchsvollerer Piste. Wir müssen den breiten Fluss Hellisa furten, etwa 50 m breit, und erwischen eine gute Linie auch ohne Ranger (uff), dann fällt noch Nebel ein, aber irgendwann gegen zehn kommen wir nach gut 100 km "Nachmittagsausflug" glücklich am Zeltplatz an.
Wegen Regen kochen wir im Aufenthaltsraum. Das isländische Leichtbier das man noch im Supermarkt oder an der Tankstelle bekommt (Lettöl, 2,25 Umdrehungen) schmeckt recht gut zu Steak und Bratkartoffeln. Währenddessen rumpelt die Schmutzwäsche in der Waschmaschine nebenan. Ich tu sie gegen Mitternacht noch in den Trockner und lass die Kollegen schlafen gehen, hole meine heiße Dusche nach, und gegen zwei ist auch für mich der Tag gut zu Ende.

Fr. 5.7.
Es geht regnerisch weiter, aber wir kriegen unser Zeug halbwegs trocken auf die Moppeds. Eier mit Speck zum Frühstück - diese Energie trägt uns durch einige Kilometer Dauerpiss nach Vik wo wir in einem Hotelrestaurant Zuflucht finden. Bei Kaffee, Kuchen und Suppe sondieren wir die Lage, die Wetterprognose ist nicht toll aber inzwischen ist die Sprengisandur offen und die ist das Ziel, jawoll! Heute sicher nicht mehr, dazu ist das Wetter zu beschissen. Telefonisch suchen wir nach einer Hütte auf den nächsten 50 km Strecke bevor es ins Hochland gehen soll, aber es ist alles voll. Also Regenkombi an und Zeltplätze abklappern. Der in Seljavellir existiert ebenso wie das zugehörige Schwimmbad nicht mehr, aber bei Seljaland werden wir fündig. Ein Zeltplatz mit Cafe und einem kompetenten Betreiber mit Superjeep vor der Hütte - und Illykaffee! Wir sitzen lange in der Gemeinschaftsküche während es draußen schüttet. Futter von den Moppeds holen, kochen, abends eine Regenpause mit kurz sogar Sonne. Zelte im Windschatten vom Haus aufbauen. Mit Ortliebtasche ins Zelt. Matte und Schlafsack ausbreiten, der Sturm rüttelt wieder am Zelt. Unter Nachbar ist ein Däne der hier campiert weil es ihn in seinem kleinen Mietwagen bald von der Straße geweht hätte. Hoffentlich wird es morgen besser, der Chef meinte es sei hier nie drei Tage am Stück Schlechtwetter - Schönwetter allerdings auch nicht.

Sa 6.7.
In einer Regenpause ins Cafe schlurfen, schon mit Endurowäsche an. Cappuchino schlürfen, Kuchen essen. Regen. Karte schauen, Bilder und Bericht hochladen. Regenpause, Zelt (nass) einpacken. Ins Bad, dann restliches Zeug aufrödeln. Die Wolken ziehen wie im Zeitraffer vorbei, bei einem $tückchen blauen Himmel starten wir. Ein Glück, kein Regen bis zur Tankstelle in Hvolsvöllur. Noch eine Packung Notwurst im Tankstellenshop gekauft und weiter. Die F216 führt durch Weideland in einem weiten Tal dahin. Dass wir Rückenwind haben, merken wir bei einem Fotostopp. Immer wieder verweht es den Wasserfall, auch die Lederhandschuhe sollte man nicht nur auf die Sitzbank legen ...
Bald wird der Asphalt zur Piste, und nördlich vom Porsmork geht es dahin. Kleine Furten, einige Lacken vom Regen. Wir versuchen zunächst die nördliche Verbindungspiste nach Hungursfit (vom Campingchef als spektakulär empfohlen) aber scheitern nach einigen tatsächlich spektakulären km an einem Geröllhang - ebenso wie einige Freizeitcrosser ohne Gepäck nach uns. Alto zurück und weiter auf der F216, dort stoßen wir nahe der Kreuzung mit der F210 auf die Mutter aller Furten, so eine wie auf den lustigen Videos auf Youtube. Ich versuche es mit der Tenere, aber komme nicht weit. Das Wasser reicht bis zur Sitzbank als das Vorderrad in ein Loch fällt und sich das Hinterrad dann eingräbt. Nur mit Mühe kriegen wir das Motorrad zu dritt rückwärts wieder an Land. Die Strömung ist recht stark, das Wasser kalt. Die Tenere springt nicht an. Der Auspuff ist vollgelaufen, ich hatte zum Schieben den Motor abgestellt. Also das Vorderrad den Hang hochgeschoben und das Wasser aus dem Auspuff gekickt. Luftfiltercheck: trocken. Vergaser ablassen, 50x kicken, geht wieder. Ein Geländewagen kommt zur Furt, ein Pajero mit fast normaler Bereifung. Er kommt etwa bis zur Hälfte, dann steht ihm das Wasser bis über die Motorhaube, er legt sofort den Retourgang ein und fährt Vollgas wieder raus. Es sei zu tief meint er, er kenne die Furt.
Was jetzt? Es ist 17 Uhr, wir beschließen hier zu zelten und zu schauen ob es morgen früh geht. Unwahrscheinlich aber möglich dass der Wasserstand auf Boxerniveau absinkt. Momentan stürmt und regnet es, das Zeug ist nass oder voll mit schwarzem Sand oder beides. Martin richtet sich als erster im Zelt ein. Ich durchsuche das Gepäck am Mopped: Futter und Waschbeutel, Schlafzeug und Wäschesack ins Zelt, draussen noch ausziehen, pinkeln, und rein in die Höhle. Richard kommt zum Essen rüber, Notwurstzeit. Zähne putzen in der Apsis, schlafen um 20 Uhr.

So 7.7.
Auf um sechs, Blick aus dem Zelt: der Wasserstand ist gesunken, aber nicht genug. Es war nachts windig, jetzt ist es trocken draußen. Wir packen langsam zusammen, trocknen und säubern alles so gut es geht. Meine rechte Box (Werkzeug und Teile) war halb voll mit Flusswasser ... aber jetzt kommt die Sonne raus. Da wir hier nicht weiterkommen müssen wir zur Küste zurück und von dort direkt in die F26 einsteigen. Immer wieder kommen Wanderer vorbei, die über die alte hölzerne Fußgängerbrücke den Fluß queren. Leider kriegen wir da die BMW nicht hoch.
Nach einem kurzen Stück Piste kommen wir zur letzten Furt von gestern. Da waren wir durchgefahren. Heute hat Richard Pech, erwischt mit dem Vorderrad einen Stein und kann den Boxer nicht in der Strömung halten. Während ich in den Fluss laufe legt sich die BMW nach rechts, die Alubox öffnet sich ein Stück und ich sehe Gepäck aufschwimmen, kann gerade noch den Deckel zuknallen. Dann zu zweit die GS unter dem Gejohle der Wanderer ans andere Ufer schieben - am besten geht es indem ich am Vorderrad drehe. Richard flucht und beginnt die Zerlegung. Wasser im Luftfilter, im Auspuff, in den Vergasern, Zylindern, und in der rechten Alubox. Das Brot und ein paar andere Futtersachen sind zum Wegwerfen, der Schaden insgesamt gering. Nach einer Stunde brummelt der Boxer wieder und es geht weiter. Recht zügig fahren wir bis Hvolsvöllur, kehren bei einer Pizzeria ein und studieren unsere Optionen. Es beginnt zu regnen, laut Vorhersage dauerhaft für 2 Tage. Wir finden als letzte Möglichkeit vor der F26 zwei Zeltplätze bei Leirubakki die wir ansteuern. Da zum Dauerregen jetzt auch noch etwa 50 km/h Wind kommen, und am Camping kein Trocken- und kein Aufenthaltsraum sind, entscheiden wir uns für eine Schlafsackunterkunft beim Hotel Leirubakki. Mit 25 Euro bezahlbar haben wir ein Zimmer mit zwei Stockbetten für uns, können am Gang die Sachen über Heizkörpern trocknen, und heiße Dusche ist ebenso inklusive wie Hot Pot und Sauna. Ich schlafe gegen 21 Uhr ein.
http://www.leirubakki.is/Default.asp?Page=272

Montag 8.7.
Es schifft noch, aber dank Internet in der Hotellobby wissen wir dass es ab nachmittags besser werden soll. Wir lassen uns Zeit, verlassen das Zimmer kurz vor 12, mit Regenkombi an. In Hraunejar tanken, dann geht es auf Schotter weiter. Immer Niesel, Nebel, eher fade Gegend. Gegen Nachmittag gibt es lichte Momente, und wir nähern uns Niydalur, der einzigen Station hier in the middle of nowhere. 240 km ist die Strecke lang, die ersten 100 haben wir geschafft als wir nach harmloser Furterei die Hütten erreichen. Zwei "warden" sind für bis zu 160 Hüttenschläfer da, auf Selbstversorgungsbasis. Die Stockbetten haben französische Breite (120cm) und werden normalerweise mit 1 Person pro Etage belegt, wenn der Andrang groß ist halt mit zweien. Nach einem Willkommenskaffee kommt die Sonne raus - Fotozeit! Dann Zelte aufbauen, jausnen, fluchend im Regen Plane spannen und drunterflüchten ... und wieder Sonne. Nach uns kommt noch ein wandernder Pole dessen Koffer beim Fliegen verloren gegangen war, zwei englische Freunde mit neuen BMW GS auf Junggesellenabschied, eine Truppe von 3 norwegischen Geländewagenfamilien, eine isländische Familie mit Zeltanhänger am Galopper. Und ein Bus voller Franzosen und Deutscher - was heißt Bus, es ist ein zum Bus umgebauter Hummer Geländewagen.
Mit Blick auf die morgen zu querende Furt schlafen wir ein, müssen morgen früh raus, nicht mehr viel Zeit bis zur Fähre.

Dienstag 9.7.
Auf um 6, packen bis knapp halb acht, Kaffee in der Hütte, los um acht. Die Furt ist problemlos, die Piste flott zu fahren aber nicht langweilig. In nicht allzu weiter Ferne leuchten Gletscher über die schwarzen Lavaebenen, oder knallblaue Seen. An kleinen Bachläufen ist es frischest grün, das Moos hat einen Stich ins gelbe, darüber makellos blauer Himmel - so schaut das also ohne Schlechtwetter aus. Mit einigen Stops für Akku- und Speicherkartenwechsel erreichen wir den beeindruckenden Wasserfall Aldeyarfoss. Pause, kleine Jause. Ab da wird es grün, wir sind im Krokdalur angekommen, die Piste schlängelt sich hoch über dem Canyon dahin, dann runter ins Tal, bei Storavellir queren wir über eine Hängebrücke auf die östliche Talseite. Über Laugabakka und Engidalur geht es auf eine nummernlosen Nebenpiste dem Myvatn entgegen. Tanken, Pizza essen, und in Anpassung ans Wetter (es hat weit über 20 Grad) Handschuhwechsel, Fleecejacke einpacken, Lenkerstulpen runter. Einkauf und eine Stunde Ringstraße nach Osten fahren. Dann wieder Piste ab Mödrudalur, das Örtchen selbst ist den Bustouristen zum Opfer gefallen. Wir fahren über F901 und F907 durch Mondlandschaften, durch grüne Täler, über weite Kiesebenen, queren bei Bru die Rejkara kommen bis Adalbol wo wir bei einem Haus nochmal tanken können. Der weitere Weg nach Süden über die F910 ist noch wegen Schnee gesperrt. Wir fahren ein paar Kilometer zurück, die Motorräder erkraxeln den westlichen Höhenzug und über eine recht holprige Alternativpiste fahren wir durch leichten Nebel in Richtung Karanjukar-Damm. Es wird kühl, die Sonne schaut aus wie Vollmond an einem diesigen Tag. Nach 25 km wieder Asphalt, gefühlt nur ein paar Minuten später sind wir in Laugarfell, bei der ersten Hütte unserer Islandreise, angelangt. Es ist mehr los als vor 12 Tagen, der kleine Parkplatz voll mit Geländewagen. Zelt hingestellt, STIEFEL AUS, Grill angeworfen, Kartoffeln gekocht, Lammkotletts auf die Glut ...
Heut komm ich spät ins Bett nachdem auch Wäsche waschen und ein heiß.es Sitzbad auf dem Programm stehen

Mittwoch 10.7.
Spät auf, Kaffee und Kuchen gefrühstückt, bei Sonne aufgepackt. Heiß. Keine Goretexstutzien heut. Wir lassen etwas Gepäck bei der Hüttte und machen noch ein paar km Piste in der Gegend, scheitern an einem Schneefeld, besuchen die Snaefell-Hütte, lassen die Federn noch ein paar Mal durchschlagen und machen uns die Füße nass. Dann Gepäck holen und links des Lagafljot nach Egilstadir. Jausnen und Einkauf bei Netto. 21 sehr schöne Kilometer über die schneebedeckte Höhe nach Seydisfjördur wo morgen um 11:30 die Nörröna ablegen wird.
Schöner und preiswerter Campingplatz mit Rasen und Internet. Fleisch grillen und Kartoffeln mit Knoblauch und Röstzwiebeln, dann ist auch die letzte isländische Holzkohle weg.
Wir sortieren unser Zeug um, packen den großen Rucksack mit dem Proviant für die Fähre vor. Der Rest ist Heimweg ...

Do 11.7.
Zuerst die deponierten Taschen aus dem Fährbüro holen, und sinnreich umpacken.
Nach dem Frühstück gemächlich zur Fähre rollen, anstellen, Bordkarte kriegen, vorgewunken werden zu den anderen Motorrädern. Ich fahr nochmal 200 m zum Supermarkt und kauf um die letzten ISK Chips, dann geht es aufs Schiff. Eine gute halbe Stunde warten bis die Kabinen freigegeben werden. Dann rauf auf die Pritschen und erstmal rasten. Lesen, Notebook anwerfen und Videos und Bilder ansehen und austauschen. Jausnen, schlafen.

Fr 12.7.
Gleiches Programm wie gestern, mit zwei Abweichungen: Lesen an Deck (in der Sonne!) und abends das vorgebuchte große Abendbuffet. See ist ruhig, aber in der Kabine ist es diesmal stickig und sehr warm.

Sa 13.7.
Um 09:30 aus der Kabine in die Sky Bar, um 11:30 Schiffszeit an Land (12:30 Ortszeit). Abschied von Richard der bis Braunschweig durchfahren will. Wir fahren bis aufs letzte Stück vor der Grenze auf der Autobahn, mit 95-110 dahin. Gut 300 km mit zwei Pausen, meist sonnig, gegen Abend kühler. Mit 24-27° das perfekte Motorradwetter. Wenn nur die Strecke nicht so fad wäre ...
Wir kommen bis Nortorf 75 km vor Hamburg auf einen Camping mit dem schönen Namen Ritzebüttel, kochen ein gutes Abendessen und trinken Flens dazu. Alles ist fein.

So 14.7.
Mittags bei Claus und Martina aufgeschlagen, Käffchen, Stadtrundfahrt mit den Moppeds, Waldcafe, Restaurant am Hafen in St. Pauli zum Fisch essen. Abends zum Zug, Mopped verladen, eine Nachtfahrt nach Wien. Der Tag war schön, nicht zu warm, sonnig, ein netter Abschluss.

Mo 15.7.
Wien-Graz ohne besondere Vorkommnisse, aber über den Pfaffensattel und Birkfeld. Auch fein. Und trocken.


Kosten:

Sprit in Island und Färöer auf Österreichniveau.

Supermarktpreise dortig etwas höher als daheim, vor allem für Frischgemüse/Obst. Zeltplätze zwischen 6 und 8 Euro pro Kopf, heiße Dusche meist extra um 1-3 Euro (Münzautomat).

Fährticket (Vorsaison hin Hauptsaison zurück) für Mann und Mopped mit zu dritt geteilter Vierer-Innenkabine: 1000 Euro komplett.

Autoreisezug Wien-Hamburg (eine Strecke):
48,- Euro für Liege im 4er Liegewagenabteil
79,- fürs Personenticket
40,50 fürs Mopped
komplett 170,-
Man spart sich 1000 km Fahrerei (alleine 60 Euro Sprit, und 50 Euro Reifen), sohin zwei Urlaubstage, und zwei Übernachtungen.
Und bei Endurobereifung eventuell einen Reifenwechsel/Ölwechsel unterwegs (ich bin komplett gut 5000 km geradelt und vom T63 ist nicht mehr soo viel da. Ob er noch 2000 km gehalten hätte?). Praktisch kostenneutral aber zeitsparend.

Strecken jeweils als gpx und kml (Google Earth/Maps Import), handgemalt:

Färöer 1:
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... %B6er1.gpx
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... %B6er1.kml

Färöer 2:
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... %B6er2.gpx
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... %B6er2.kml

Island komplett:
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... land01.gpx
https://dl.dropboxusercontent.com/u/637 ... land01.kml

Gryße!
Andreas, der motorang


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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von motorang » Sa 29. Nov 2014, 15:53

Jetzt auf der Website - mit allen Bildern:

http://motorang.com/motorrad/2013_Island.htm

Gryße!
Andreas, der motorang

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RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von Henner » Sa 29. Nov 2014, 17:19

WOW !!! Schöne Bilder, wecken den Reisedurst.
Grüße, Henner

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molhol
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Registriert: Mi 17. Feb 2010, 22:46

RE: motorangs Islandhäppchen 2013

Beitrag von molhol » Mo 1. Dez 2014, 20:41

Wenn dort das Wetter nicht wäre, stünde Island mit Sicherheit auf der todo Liste für 2016-2018

Aber trotzdem, super Bericht. Macht Lust.

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