Seite 1 von 1

Kabelbaum selbst "stricken"

Verfasst: Fr 30. Nov 2012, 21:15
von Henner
Am Beispiel einer TT, ist jedoch auf die XT Problemlos übertragbar.

http://www.xt-foren.de/Files/kabelbaumneumachen.pdf

Danke an gorac für die Datei

RE: Kabelbaum selbst "stricken"

Verfasst: So 3. Apr 2016, 23:19
von Ludger
Hallo,
was das Löten vom Kabelenden angeht, eine kleine Anmerkung:

Das Löten von Kabeln(Litzen)/Kabelenden ist schon seit etwa Anfang 1982 verboten worden.
Statt dessen sind Crimpverbindungen bzw. Aderendhülsen zu verwenden.

Grund: Bruchgefahr an der Übergangstelle von Kupfer und Lot.
Diese Verbindungen sind nicht lange haltbar.
Es ist sogar besser Litzenenden notfalls nur du verdrillen statt zu verlöten.

Jedenfalls kam unser Meister mit dem Sicherheitsbeauftragen damals in die Werkstatt marschiert,faselte was von Neuerung in VDE0100 (siehe oben) und hatte höchstpersöhnlich unser Zinnbad eingezogen und entsorgt. :)

Gruss
Ludger

RE: Kabelbaum selbst "stricken"

Verfasst: Fr 8. Apr 2016, 16:12
von TheBlackOne
Ich stimme zu. Wenn ich sehe, dass Leute Crimptstecker anlöten, oder sogar crimpen UND löten, argh... Das sind dann aber auch oft die gleichen Leute, die meinen, mit der Zange gequetscht ist gecrimpt. Oder mit diesen Blechzangen ausm Baumarkt.

Eine Sache zu den Verbindungen mehrerer Kabel: Tatsächlich ist das eine ziemlich gute Art, mehrere Kabel so zu verbinden, wenn man eine Crimpzange hat. Ich nehme da gerne etwas grössere Aderendhuelsen ohne Kragen, spart Platz und ist bombenfest (wenn man eben die richtige Zange hat und die richtige Grösse der Huelse wählt).

Re: Kabelbaum selbst

Verfasst: Mi 22. Mai 2019, 16:53
von motorang
Aus der Praxis habe ich eine andere Privatmeinung, bin weder Elektriker noch unterliege ich der VDE.

Meine Beobachtungen:
1) Durchgelötete Kabel sind steif, können vibrieren und brechen. Wenn falsch gelötet wird. KfZ-Kabel sind nicht umsonst aus Litzen gemacht und damit weich, anders als Hausinstallation.
2) Lediglich aufeinandergelegte oder ineinander verpresste (vercrimpte) Verbindungen bauen über die Jahre Oxidschichten auf, die irgendwann zum elektrischen Ausfall der Verbindung führen.
3) Elektrische Verbindungen an Motorrädern sind Wind, Wetter, Feuchtigkeit, Salz ausgesetzt und WERDEN irgendwann oxidieren. Ja, auch Superseal.

Meine Schlussfolgerungen, und die sind praxiserprobt seit 30 Jahren, davon ein Gutteil mit Winterfahrerei, und auch noch mit 6V-Systemen.

1) Crimpen alleine ist auf Dauer eine Schönwetterverbindung. nach 10, 15 Jahren machen die Probleme. Ich crimpe und gebe zusätzlich in die Crimpverbindung etwas Elektroniklötfett, und verlöte dort ganz vorne mit einer kleinen Menge Elektroniklot. Das ist ausreichend für eine durchgehend metallische Verbindung zwischen Kupferlitze und Stecker, die nicht leicht von Oxidation unterwandert wird.
2) Das Lot darf wirklich nur ganz vorne im Crimpbereich sein und NICHT ins Kabel ziehen, hinter der Zugentlastung muss das Kabel lotfrei und weich bleiben damit es nicht durch Vibration brechen kann.
3) Damit das funktioniert, verwende ich unisolierte Steckverbinder aus Messing (Bosch) und erledige die elektrische Isolierung im Nachgang mit Schrumpfschlauch.
4) Masseverbindungen führe ich möglichst aus, indem ich das Kabelende mit einer Messing-Ringöse vercrimpe und ganz vorne leicht verlöte, analog wie oben. Die Masseverbindungen werden idealerweise auf einem zentralen Massepunkt in der Nähe der Batterie verschraubt, mit einer dicken Leitung zum Minuspol der Batterie.
5) Steckverbindungen werden, um sie möglichst lange oxidfrei zu halten, mit entsprechenden Mitteln konserviert:
Als Spray Kontakt61, als "Fett" ein dielektrisches Fett aus dem Bootsbau (contralube 770). Notfalls halt ein Universalspray, weils wasserverdrängend ist.

Damit bin ich bisher ganz gut gefahren.

Gryße!
Andreas, der motorang